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Sursilvan – das Rätoromaische der Surselva

Das Bündnerromanische lässt sich in 5 Idiome aufteilen.

Jedes dieser Idiome unterscheidet sich von den anderen in nicht unerheblicher Weise und hat jeweils eine eigenständige Schriftsprache entwickelt. Diese Schriftsprache hat im Lauf der Geschichte stark zur Bildung von lokalen Identitäten geführt.

  • Sursilvan
  • Sutsilvan
  • Surmiran
  • Putér
  • Vallader

Das Sursilvan ist das grösste bündnerromanische Idiom. Gesprochen wird es im Gebiet des Vorderrheintals und in dessen Seitentälern.

Entstanden ist das Rätoromanisch und somit auch das Sursilvan durch die Verschmelzung von Latein und der Rätischen Sprache.
Ursprünglich war das heutige Verbreitungsgebiet des Romanischen von Kelten und Rätern besiedelt. Über deren Sprache und Leben sind aber kaum gesicherte Aussagen zu machen. 15 vor Christus wurden diese Völker von den Römern unterworfen, welche die Lateinische Sprache in die unterworfenen Gebiete brachten.
Die Rezia wurde über mehrere Jahrhunderte romanisiert und es entstand eine neue Sprache –das Rätoromanisch. Das Verhältnis zwischen Latein und Rätisch im heutigen Rätoromanisch ist wohl mit 5:1 anzunehmen. Später wurde dann der Einfluss des Deutschen (Alemannisch) immer grösser.

Wappen der Surselva

Die Situation des Sursilvan gemäss der Resultate der Volkszählung des Jahres 2000 sieht folgendermassen aus: 

Von der Gesamtbevölkerung im Verbreitungsgebiet des Sursilvan (32645 Personen) gaben 13879 Personen das Sursilvan als die Sprache an, die sie am besten beherrschen. Das entspricht einer Prozentzahl von 42.5%.


Als „beste Sprache und/oder in Familie, Schule und/oder Beruf verwendete Sprache“gaben 17897 Personen Sursilvan an, was 54.8% der Gesamtbevölkerung.


Bei diesen Zahlen geht man von der Surselva und Gemeinden wie Domat/Ems, Bonaduz, Rhäzuns und Trin aus.


Nimmt man hingegen nur die Surselva oberhalb Flims, geben 66 % der Bevölkerung Sursilvan als bestbeherrschte Sprache an.


Im oberen Teil der Surselva (Cadi) geben 78.1 % der Bevölkerung Sursilvan als bestbeherrschte Sprache an, im Lugnez sogar 82%


Teile der Surselva sind hingegen bereits zweisprachig. Die Foppa beispielsweise weist mit 49% bereits recht tiefe Werte auf. In Ilanz selber geben nur 29.9 % Sursilvan als bestbeherrschte Sprache an.


Gründe für den Rückgang der Sprache:

Das romanische Sprachgebiet hat kein wirtschaftliches und kulturelles Zentrum. Es hat keine Stadt.


Es gibt kein anderes Gebiet der gleichen Sprache, worauf die Romanen zurückgreifen könnten und das unterstützend wirken könnte.


Die Abhängigkeit von der Deutschschweiz


Der Einfluss der Massenmedien, von Presse, Radio und Fernsehen


Die ungenügende Präsenz des Romanischen im Alltag, in der Wirtschaft, in öffentlichen Diensten


Die Zersplitterung des Romanischen in mehreren Idiomen und die dadurch begünstigte Entwicklung von lokalen Identitäten


Über die Zukunft der romanischen Sprache und des Sursilvan im Speziellen ist bereits viel geschrieben worden.

Es mehren sich die Anzeichen dafür, dass in die Sprache in den letzten 50 Jahren recht geschwächt worden ist. Andererseits ist aber festzuhalten, dass die Romanen in absoluten Zahlen gesehen seit über 120 Jahren auf etwa gleichem Niveau eingependelt haben. Es muss aber auch gesagt werden, dass sich das Deutsche im gleichen Zeitraum etwa vervierfacht hat.

Wir werden sehen.